Die Barockkirche von RöthleinOb Baufälligkeit oder/und geringe Größe Ursache für den Bau einer Kirche aus Steinen waren, ist nicht bekannt. Von 1742-1744 bauten sich die Vorfahren eine Kirche im Stil der damaligen Zeit, im Spätbarock. Die Pläne sollen aus der Werkstatt des bekannten Balthasar Neumann stammen. Aufgrund der Planskizzen und einer Ansicht der Vorderfront kann man viel Genaues über die Barockkirche aussagen. An der Straße erhob sich über dem Haupteingang der Kirchturm mit barocker Zwiebelhaube. Mitsamt dem Lothringischen Kreuz war der Turm gut 28 m hoch. Über dem Eingangsportal war die Jahreszahl der Vollendung und der Weihe zu lesen: 1744. Darüber brachte man das Wappen des Domkapitels, dem die Ortschaft gehörte, an. Heute ist das Wappen im Untergeschoss des Turmes eingelassen. Zwei Voluten begrenzten den ersten Turmstock. Die Turmuhr schloss das zweite Fenster über der Eingangstür ab. Der Grundriss lässt ein Oval erkennen. Die äußere Länge der Kirche betrug fast 28 m. Die Sakristei (4,6mx3,2m) befand sich am anderen Ende des Gotteshauses gegenüber dem Eingang. Zwischen Sakristei und Haupteingang befanden sich das Kirchenschiff (rd. 12 m lang), der Vorchor mit den beiden Nebenaltären (rd. 3 m lang) und der Chor (5,5 m lang). Die Kanzel war links am Anfang des Chores, der mit der Kommunionbank abschloss. Vier schmale Fenster beleuchteten den Chorraum. Im Mittelpunkt stand der Hauptaltar. Dahinter war vielleicht ein großes Altarbild zu sehen. Der große Platz im Vorchor war sicher zum Aufbewahren eines Sarges beim Totenamt, aber auch für die Kinder-Kniebänkchen geeignet. Über die Gestaltung der Seitenaltäre fanden sich bisher keine Unterlagen. Im Kirchenschiff standen rechts und links des Ganges barocke Kirchenbänke, die heute teilweise auf der Empore bzw. auf dem Kirchenboden stehen. Sicher hatte die auch heute noch vorhandene und aus Holz geschnitzte Gottesmutter mit dem Kind einen Ehrenplatz im Schiff. Ebenso ist noch eine barocke Prozessionsstange mit gedrechseltem Holzschaft sowie einem Medaillon mit dem Kirchenpatron Jakobus auf der Vorderseite und einer Pieta auf der Rückseite erhalten. Das Medaillon ist wie die Gottesmutter mit dem Kind farbig und mit Gold bemalt. Seit der Pfarreigründung 1803 war der klassizistische Taufstein aus gelbem Sandstein im Gotteshaus. Das ehemalige barocke Muschelbecken ist inzwischen durch ein emailliertes Metallbecken ersetzt. Auf der Empore war die Orgel, die 1876 nach Zeilitzheim verkauft wurde. Die Nachfolgerin ist eine Steinmayr-Orgel, die heute noch nach einer Erweiterung während des Gottesdienstes erklingt. Die Empore ruhte auf vier Säulen und ragte weit in das Kirchenschiff hinein. Im Turm hingen sicher drei Glocken, die 1862 repariert wurden. Da die Gemeinde für die Glocken aufkommen musste, gab sie statt der notwendigen 200 fl. (Gulden) der Kirchenverwaltung 160 fl. Im Protokollbuch der Kirchenverwaltung ist 1850 die Verteilung der Baulast festgehalten: Für das Gotteshaus hatte die Kirche selbst die Baulast, für das Pfarrhaus die Gemeinde allein. Daher wurde die Barockkirche mit Mitteln aus dem „Kirchenfonde“, das Pfarrhaus 1803 von der Gemeinde errichtet. 1846 richtete die Kirchenverwaltung ein Gesuch an das Königliche Landgericht, eine Vergrößerung der Kirche oder einen Neubau zu genehmigen, da das Gotteshaus für die 400 Röthleiner und 100 Katholiken Schwebheims zu klein war. Eine Antwort habe ich noch nicht gefunden. Die erste steinerne Kirche Röthleins, die Barockkirche, muss sehr schön gewesen sein. Noch 1872 stellte die Kirchenverwaltung fest, dass „die hiesige Pfarrkirche im Innern elegant hergerichtet ist“. Also müsste mindestens eine Renovierung vorgenommen worden sein, vielleicht auch mit einigen Veränderungen. Man wollte die Berockkirche „auch für die Zukunft rein und glanzvoll erhalten“, deshalb wurde beschlossen, „ein taugliches Subjekt aufzustellen, das die Abstäubung der Altäre und der ganzen Kirche, sowie die 2malige Reinigung des Fußbodens im Langhause und der Emporkirche zu besorgen hat“. Hierzu wurde der Heiligenmeister (Küster) angestellt. Im Frühjahr 1880 wurde der Friedhof um die Kirche aufgelassen und ein neuer angelegt, aber im ganzen Jahr nicht benutzt, weil niemand starb. Die Gemeinde richtete den Weg her und baute über den Bach eine Brücke. Danach wurde das Tal in „Frohnte“ aufgefüllt. 3 333 Fuhren Sand und Boden waren nötig.
|