Die Geschichte der Röthleiner Kirche Der Bau der heutigen PfarrkircheDer Bau der Röthleiner Pfarrkirche geht zurück auf die Initiative des Pfarrers Friedrich Lochner (1890-1898). Er fand Verständnis und Unterstützung bei dem damaligen Bischof Franz Josef Stein in Würzburg. Ab September 1891 gab es in einem Briefwechsel erste greifbare Vorbereitungen zum Neubau. Wie es in der Grundsteinlegungsurkunde von 1893 heißt, wurde zuerst die Finanzierungsfrage des Neubaus gelöst, dann durch den exponierten kgl. Bauamtsassessor Gregor Thaler, Schweinfurt, die Pläne für die neue Kirche im neugotischen Stil ausgeführt. Zur Leitung des Baus wurde Baumeister Adam Niklaus (oder Niclaus) aus München, der aus Röthlein stammte, berufen. Als Architekt wird ein Georg Weippert aufgeführt. Um Geld zu sparen, hatte man sich entschlossen, vor allem die Erd- und Maurerarbeiten, aber auch einen Teil der Handwerksarbeiten durch Röthleiner Bürger um Gotteslohn machen zu lassen. Am 08. November 1892 wurde die Sakristei abgebrochen, am 13. März die letzte Messe in der alten Kirche gefeiert. Noch am gleichen Tage begann der Abbruch der Barockkirche. Als Notkirche stand bis zum Herbst ein Zelt im Hofe des alten Pfarrhauses (Hof zwischen dem Pfarrhaus und der Gaststätte "Der goldene Löwe"). Im Jahre 1893 wurde die neue, jetzige Kirche gebaut. Am 16. April 1893 erfolgte die Grundsteinlegung durch Pfarrer Lochner. Die Röthleiner Bürger haben bei diesem Neubau tatkräftig Hand angelegt. Finanziell hat neben der Diözese Würzburg auch die politische Gemeinde durch Zuschüsse ihren Beitrag geleistet. Und trotzdem kam die Innenausstattung 1894 ins Stocken, da die Kosten höher wurden als vorgesehen und der Pfarrgemeinde das Geld ausging. Die neue Kirche hat außen eine Gesamtlänge von 36m. Das Schiff ist außen 14m breit. An der breitesten Stelle (Skristei - Turm) ist das Gebäude 18,9m breit. Der Chor ist innen 10m lang und 6,5m breit. Gotische Spitzbogenfenster zweischen Sandsteinrippen erhellen und gliedern die Chorapsis. Die Höhe bis zum Chorbogen dürfte ca. 10,5m betragen. Das Schiff ist innen ca. 25m lang und ca. 12,5m breit. Durch eine alte hälzerne Kassettendecke wird das Schiff oben abgeschlossen. Bis zum Dachfirst ist die Kirche ca. 14,5m hoch. Das Protal der heutigen Kirche steht auf der Höhe des Protals der Barockkirche. Chor, Turm und Sakristei ragen deshalb über die einstige Barockkirche hinaus. Der Kirchturm mit einem hohen Helmdach nach Vorbild der Tiroler Kirchtürme ist mit Kreuz 44m hoch. Dieses Metallkreuz ist mit Jugendstilzierrat geschmückt. Vier bemalte und vergoldete Zifferblätter mit vergoldeten Zeigern aus der zeit des Neubaus schmücken die 4 Turmseiten. Anfang Iktober 1893 war der Rohbau der neuen Kirche fertig gestellt. Nachdem die Kirche gedeckt und auch getüncht war, nahm Pfarrer Lochner am 29. Oktober 1893 die Benediktion (Segnung) der neuen Kirche vor. Am gleichen Tage war auch die Glockenweihe der neuen "Gedächtnisglocke", worauf sie und die 3 Glocken aus dem Turm der alten Kirche im Glockenstuhl des neuen Turms aufgehängt wurden. Die Altarmensa aus der Barockkirche war wieder aufgestellt worden. Ab diesem Tag wurde in der neuen Kirche jeedn Sonntag an diesem Altar der Gottesdienst der Gemeinde gefeiert. Das Gebäude, Mauern udn Dach der Kirche und des Turmes waren um diese Zeit fertig. Die Fertigstellung der Inneneinrichtung und des Figurenschmucks währte noch zwanzig Jahre. Die Hauptursache, dass alles so lange dauerte, war, dass der Kirchengemeinde das Geld ausging un dman erst wieder sammeln musste.
|
|
| © H. Bischof |
| St. Jakobus- Kirche Röthlein - Innenansicht |
|
Pfarrer Lochner hatte beschlossen, die Kirche erst dann einweihen zu lassen, wenn sie ganz fertig war, der Sonntagsgottesdienst wurde ja seit der Benediktion in der neuen Kirche gehalten, so dass eine Notkirche nicht mehr notwendig war. Vor allem der Innenraum der kirche war über Jahre hinaus nur ein Provisorium. Ende 1893 wurde die noch aus der alten Kirche vorhandene Steinmayr-Orgel auf der neuen Empore wieder aufgebaut. Man hatte geplant, sie bereits zum Kirchenneubau zu vergrößern. Da das Geld knapp wurde, baute man sie unverändert wieder auf. Für die alte Kirche geschaffen, wirkte sie in der neuen Kirche zu klein und füllte mit ihrer Stimme nicht den Raum aus. Aus der Zeit kurz vor der Benediktion stammen die neugotischen Türen mit ihren kunstvollen schmiedeeisernen Beschlägen nach Entwürfen des kgl. Bauamtsassessors Gregor Thaler, Schweinfurt.Ebenfalls aus dieser Zeit stammt der Tympnon im Bogenfeld über den Haupttoren des Haupteingangs, geschaffen von dem Bildhauer Valentin Josef Weidner, Bad Kissingen, von dem vermutlich auch das durchbrochene Bogenfeld über dem Nebeneingang stammt. Ebenfalls um diese Zeit - Ende 1893 - wurde wahrscheinlich die steinerne Jakobusfigur über dem Haupteingang nebst Konsole und Baldachin von dem Bildhauer Nicolaus Köstner, Würzburg, geschaffen. Dann stockte vorerst die Weiterführung der Inneneinrichtung wegen Geldmangels. Sommer / Herbst 1894 wurden die Böden und Wände der Kirche durch die Firma Wadenklee, Würzburg, gekachelt. Erst im herbst 1895 wurden die Wände der Kirche durch Weißen auf die Bemalung vorbereitet. Im Sommer 1896 folgte dann die Bemalung der Wände und der Kassettendecke, auch der Chorbögen und der Fensterleibungen durch den Kirchenmaler Gotthold J. Rettinger, Aschaffenburg. Besonders zu erwähnen ist hier das Gemälde "Die Verkündigung" an der Stirnwand des Schiffes mit dem Sakramentwappen am unteren Ende. "Die Verkündigung" wurde 1978 leicht vereinfacht wieder erneuert, aber ohne dieses Wappen. Pfarrer Lochner suchte im Ausschreibungsverfahren Künstler zur Gestaltung der Altäre und des figuralen Wandschmucks anzusprechen. Ins Gespräch kamen u.a. der „akademische Bildhauer Matthäus Schiestl“ in Würzburg, der einen detaillierten Kostenvoranschlag einreichte. Pfarrer Friedrich Lochner hatte mit viel Engagement den Neubau geplant und nach dem Abriß der alten Kirche den Neubau voran getrieben. Er sollte die Fertigstellung dieser Kirche nicht mehr erleben. Am 25. mai 1898 riß ein plötzlicher Tod den 63jährigen aus seinem Planen und Sorgen. Der Neubau stockte dadurch erneut. Es blieb seinem Nachfolger, Pfarrer Josef Kram (Pfarrer in Röthlein 1898 - 1911), vorbehalten, die Innenausstattung der Kirche fast zu vollenden. Anders als Pfarrer Lochner war Pfarrer Kram dafür, die Kirche möglichst bald einweihen zu lassen. Da die Pfarrei wieder über Geld verfügte, konnte er wieder Aufträge für die Innenausstattung vergeben. Im Plan standen ein Nebenaltar „Heilige Familie“ und ein „Jakobusaltar“. Pfarrer Kram nahm Verhandlungen mit in Unterfranken bekannt gewordenen Künstlern aus dem Münchener Kreis (z.B. Jakob Angermaier) auf. Seine Arbeiten in Großheubach gaben Pfarrer Kram den Anlass, ihm auch für Röthlein den Auftrag zu geben. So reichte Architekt Angermaier am 17. März 1900 seinen spezifizierten Kostenvoranschlag beim Pfarramt Röthlein ein. Er übernahm die Schreiner- und Verzierungsarbeiten, Maßwerke, Mensa und Predella, sowie den oberen Aufbau mit den beiden Flügeln für die Seitenaltäre, ebenso die kanzel, Chorstühle, Beichtkasten und Kredenztisch zu einem Gesamtpreis von 6510 Mark. Im Jahre 1901 wurde von Thomas Buscher der Nebenaltar, gewidmet der Heiligen Familie und dem Leben des jungen Jesus, fertig gestellt. 1904 folgte der rechte Seitenaltar, dem Kirchenpatron St. Jakobus d.Ä. gewidmet. Neben dem Architekten Angermaier, der für den allgemeinen Aufbau der Altäre zu planen und zu sorgen hatte, dem Handwerker aus dem dörflichen Bereich zur Seite standen, wirkte als sogenannter Fassmaler, der für die farbliche Gestaltung der Figuren verantwortlich zeichnete, ein weiterer Münchner mit, der Kunstmaler Dontl. Als Pfarrer Kram 1911 Röthlein verließ, war die Innenausstattung fast vollendet. Sein Nachfolger, Pfarrer Barth, vollendete die Inneneinrichtung mit den Kirchenbänken )1912) und einer neugotischen Aufsatzfigur, des auferstandenn Christus. 1917 wurde die große "Gedächtnisglocke" zu Kriegszwecken aus dem Turm geholt und die Pfarrei musste die Zinn- Prospektpfeifen an den Reichsmilitärfiskus abliefern. Nach dem Krieg mussten die Prospektpfeifen durch neue ersetzt werden. Als Ersatz für die fehlende Glocke kaufte die Pgfarrei in Nordheim die "Ave Maria- Glocke", eine alte Glocke aus dem 15. Jahrhundert, die unter Denkmalschutz stand. 1928 und 1931 wurden die ersten Renovierungen (Deckenreinigung und Turmdach) vorgenommen. 1947 kehrte die alte Glocke wieder zurück. Sie war gesprungen und musste gelötet werden. Das neue Geläute der zwei so unterschiedlichen Glocken soll sehr merkwürdig gewesen sein. Unter Pfarrer Willibald Müller (1949 - 1973 in Röthlein) wurden verschiedene Instandhaltungsarbeiten vorgenommen und das Geläute auf vier Glocken erweitert. Im April 1965 begann in Röthlein eine Renovierung der Kirche, die bis 1966 dauerte. Sie wurde von Dombaumeister Hans Schädel geleitet. Einerseits soltle der Altarraum den Erfordernissen der Liturgiereform entsprechend verändert werden, andererseits war es das Ziel, den als kitschig empfundenen neugotischen Stil der Kirche zu eliminieren und das Kircheninnere modern umzugestalten. Im September 1966 war die Renovierung fertig. Am 1. und 2. Oktober war kanonische Visitation durch Bischof Josef (Stangl) in Röthlein. Dabei wurde der neue Altar eingeweiht. Am 10. Juni 1973 starb Pfarrer Wilibald Müller in Schweinfurt. Er wa 66 Jahre alt geworden. Sein Nachfolger wurde der aus Tarvisio / Italien stammende Dr. Franz Oitzinger. Er war verantwortlich für die zweite Kirchenrenovierung, bei der die ursprünglich neugotische Form weitgehend wieder hergestellt wurde. Die eigentliche Durchführung der Renovierung fand unter der eitung von Pfarre Lothar Kirchner statt, der sein Amt im Januar 1978 antrat, nachdem Pfarrer Oitzinger im September 1977 Röthlein verlassen hatte. Im Herbst 1978 war die Renovierung der Kirche beendet. Am 12. November 1978 wurde mit der feierlichen Altarweihe des Zelebrationsaltares durch Weihbischof Alfons Kempf der Renovierung ein feierlicher Schlusspunkt gesetzt. Im Herbst 1999 bis Frühjahr 2000 wurde der Kirchturm in Röthlein von innen renoviert. Vor allem die Turmtreppe musste völlig erneuert werden. Am 29. Juni 2000 feierte die Kirchengemeinde in Röthlein den 100. Jahrestag der Weihe ihrer Kirche. (nach: Festschrift zum 100. Jahrestag der Kirchweihe, S. 11 - 16, die u.a. durch die gründliche Arbeit von Herrn Wolfgang Bernstein im Pfarrarchiv Röthlein ermöglicht wurde)
|