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Pfarrei Röthlein  > Gebäude  > Die Pfarrkirche St. Jakobus

Der Familienaltar (linker Seitenaltar)

 

linker Seitenaltar
linker Seitenaltar

Der linke Seitenaltar wurde laut Agenda von Pfarrer Kram in der Pfarrkirche aufgestellt am 14.4.1901. Er zeigt im Mittelteil eine familiäre Szene im Hause der Eltern Jesu zu Nazareth. Der linke Seitenflügel gibt einen Rückblick auf die Anbetung der drei Weisen in Bethlehem, der rechte Seitenflügel einen Ausblick auf das erste Auftraten Jesu im Tempel von Jerusalem.

Thomas Buscher will Erzähler sein. Die Gestaltungen der Themen nehmen den Inhalt der Aufzeichnungen der Heiligen Schrift, bzw. die im Volk bekannt gewordenen Legenden mit in seine Werkschöpfungen. Sie geben sich bis in das Detail getreu den Vorstellungen, wie sie dem Volk aufgrund seiner tiefreligiösen Frömmigkeit vertraut sind. Erzählen heißt aber auch eine Geschichte so verinnerlicht wahr werden zu lassen, dass der Betrachter, bzw. der mit seinen Augen Lesende glaubt, sich in den Handlungsablauf auf dem Bild mit eingebunden zu sehen.

Im häuslichen Szenario zeigt Buscher die Atmosphäre, wie sie in jedem Familienkreis vorherrschend sein soll. Es wird wohl kaum ein besseres Beispiel des Milieus geben in der Harmonie und Verträglichkeit als bei Joseph, Maria und dem Jesusknaben. In der ersen Biblischen Geschichte für die Schulen Bayerns aus dem Jahr 1848 wird dies explicit vorgewiesen. Man geht wohl kaum fehl in der Annahme, dass Thomas Buscher seine Gestaltungsvorschläge sowohl aus den Niederschriften der Bibel als auch aus diesen volksnahen Beschreibungen geholt hat.

linker Seitenaltar der Pfarrkirche St. Jakobus in Röthlein, Mitteltafel: Jesus baut die Kirche
linker Seitenaltar der Pfarrkirche St. Jakobus in Röthlein, Mitteltafel: Jesus baut die Kirche
Joseph, Nährvater Jesu und Familienvorstand, von Beruf Zimmermann, "Muster des rechtschaffenen Mannes aus dem gemeinen Stande, ein fleißiger, gedudiger, redlicher Handwerker", kommt von der Arbeit heim, die Axt als Symbol seines Berufes noch in der Hand haltend. Die Stätte seines Wirkens als Hausbauer ist im Blick durch das Fenster im Hintergrund zu sehen. Es könnte die Röthleiner Pfarrkirche sein. Fragen bewegen die Eltern im Gespräch.

Maria, für den Haushalt verantwortlich, den sie gewissenhaft und mit Sorgfalt verrichtet, zeigt mit der Haltung ihrer Arme, aber auch in ihrem aufschauenden und um Hilfe bittenden Blick, dass sie bei aller Sanftmut, Milde und Güte Angst im herzen trägt. Ihre Hauptaufgabe sieht sie neben der Führung des Haushaltes vor allem in der Erziehung ihres Kindes, dem sie Mutter und Wegbereiterin sein möchte.

Dessen ungeachtet gibt sich der Jesusknabe gelassener, widmet sich dem unterhaltsamen Spiel mit den vom Vater erstellten Holzklötzchen.

Jesus in der Mitte der Eltern, so sah Buscher seinen Auftrag an, in der Realität einer häuslichen Gemeinschaft, aus der heraus Harmonie und Vertrauen zueinander wachsen können.

Die Kleidung ist zeitgebunden: Joseph trägt über einem blauen Untergewand einen braunen Umhang, an den Füßen Sandalen, auf dem Kopf eine rote Mütze. Das wallende Haar endet in einem kurzen Bart. Selbst die Kleinigkeit, dass das Untergewand von einem Knopf zusammen gehalten wird, hat Buscher nicht vergessen.

Maria, eben noch beschäftigt den Wollfaden aufzuspindeln, begrüßt Joseph herzlich, doch schiebt sich kein Lächeln der Freude auf ihre Lippen. Welche Gedanken mögen sie bewegt haben? Auch hier ist die Kleidung einfach, ein rotes Untergewand, über das der blaue Umhang fällt. Den Kopf bedeckt ein Tuch, von einem bunten Rand besäumt. Maria hat Platz auf einem Stuhl genommen, hinter dem der Rocken mit der Schafwolle steht.

Der Jesusknabe trägt ein einfaches hemdartiges Gewand. Die blauen Augen schauen gespannt auf die Bauklätzchen, um Maß zu nehmen, welches wohl in die Lücke der Mauer auf der Kiste passen könnte. Blonde Locken kräuseln sich auf dem Kopf.

 

linker Seitenaltar der Pfarrkirche St. Jakobus in Röthlein, linker Flügel: Die Huldigung der Sterndeuter
linker Seitenaltar der Pfarrkirche St. Jakobus in Röthlein, linker Flügel: Die Huldigung der Sterndeuter
Die Huldigung der Sterndeuter: (Mt 2,1-12)

Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen. Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem. Er ließ alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Messias geboren werden solle. Sie antworteten ihm: In Betlehem in Judäa; denn so steht es bei dem Propheten: Du, Betlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda; denn aus dir wird ein Fürst hervor gehen, der Hirt meines Volkes Israel. Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war. Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte: Geht und forscht sorgfältig nach, wo das Kind ist; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige. Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg. Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen. Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar. Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.

 

Frei nach dem bericht des Evangelisten Matthäus schildert der Bildhauer Buscher mit seinen Mitteln und Eingebungen diese Szene in einer sehr lebendigen und anschaulichen Darstellung.

Nachdem die Sterndeuter die Hütte nhe Bethlehem gefunden hatten, traten sie ein und fanden das Kind mit seiner Mutter Maria. Ehrfürchtig fiel Melchior, wie sie einen der Fremden später in den Legenden zu nennen pflegten, auf die Knie, während Kaspar, der Mohr, und Balthasar im andächtigen Betrachten stehen blieben. Joseph nahm seine Kappe vom Haupt und schaute verwundert herba zu seinem Sohn, der dem fremden Gast an die Stirne fasste.

Eine bewegte und auch bewegende Szene, wie sie Buscher, reich an Phantasie, hier im Bild entworfen hat. Auf engem Raum finden die Akteure dieses Geschehens Platz, stehend im toren Umhang, auf dem Kopf die Zeichen ihrer Macht und Würde, in den Händen die kostbaren Gefäße mit den geschenken tragend. Daneben steht Joseph, das Haupt leicht nach unten geneigt, die Mütze an der Brust haltend.

Davor die Szene der anbetenden Verehrung des älteren Sterndeuters, der sich kniend vorbeugt zu dem kleinen Knaben, der auf dem Schoß seiner Mutter sitzt. Da blitzt in Buscher der Schelm durch, wenn er eine alltägliche Gewohnheit der Kinder ins Bild bringt. Neugierig beäugt der Kleine den Fremden vor ihm. Dann hebt er seine rechte Hand und tastet nach der Stirne. Diese Szene aber ist mehr als nur das Augenscheinliche. Buscher zeigt: Jesus segnet den fremden, der in Verzückung zu dem Kleinen aufschaut. "In Wahrheit, er ist Gottes Sohn", so will diese fast unbedeutend zu nennende und doch gewollt erwiesene Handbewegung es bezeugen. Die Sterndeuter werden mit der Gewissheit wieder heimwärts ziehen und jedermann Kunde geben, dem "König der Juden" begegnet zu sein.

 

linker Seitenaltar der Pfarrkirche St. Jakobus in Röthlein, rechter Flügel: Jesus diskutiert mit den Gelehrten im Tempel
linker Seitenaltar der Pfarrkirche St. Jakobus in Röthlein, rechter Flügel: Jesus diskutiert mit den Gelehrten im Tempel

Der zwölfjährige Jesus im Tempel (Lk 2,41-52)

Die Eltern Jesu gingen jedes Jahr zum Paschafest nach Jerusalem. Als er zwölf Jahre alt geworden war, zogen sie wieder hinauf, wie es dem Festbrauch entsprach. Nachdem die Festtage zu Ende waren, machten sie sich auf den Heimweg. Der junge Jesus aber blieb in Jerusalem, ohne dass seine Eltern es merkten. Sie meinten, er sei irgendwo in der Pilgergruppe, und reisten eine Tagesstrecke weit; dann suchten sie ihn bei den Verwandten und Bekannten. Als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten ihn dort. Nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel; er saß mitten unter den Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen. Alle, die ihn hörten, waren erstaunt über sein Verständnis und über seine Antworten. Als seine Eltern ihn sahen, waren sie sehr betroffen, und seine Mutter sagte zu ihm: Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht. Da sagte er zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muß, was meinem Vater gehört? Doch sie verstanden nicht, was er damit sagen wollte. Dann kehrte er mit ihnen nach Nazaret zurück und war ihnen gehorsam. Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen. Jesus aber wuchs heran, und seine Weisheit nahm zu, und er fand Gefallen bei Gott und den Menschen.

Auf einem Podest steht Jesus vor drei Schriftgelehrten. Während einer zur Rechten des Knaben steht, nachdenklich den Kopf gesenkt haltend, sitzt ein älterer Wahrer des Testaments auf einer Bank. Drei Bücher sind bereits durchforscht udn liegen auf dem Boden, das letzte hält er noch vor sich, wählt mit einer Hand die zu erfragende Stelle aus, während in der anderen das Augenglas, die Brille, ruht. Der Dritte sieht sich als Prüfer angesprochen, beugt sich vor und schaut kritisch in die aufgeschlagene Textseite.

Glaubt man dem Evangelisten Lukas, so soll Jesus drei Tage lang Rede und Antwort vor den gestrengen Hütern des Gesetzes gestanden haben. Immer wieder löst die Schlagfertigkeit des Knaben Verwunderung aus.